Innerer Monolog – Gedanken eines Jungen im Konzentrationslager

Autorin: Leonie Zoisl, 4a Klasse
 


Ich sitze seit Stunden vor diesem Zaun auf dem kalten Boden, sehe die wunderschönen Blumen, die sich im Wind bewegen, an und beobachte, wie die Schmetterlinge und Bienen sich vom Nektar ernähren.
 

Bei diesem Gedanken beginnt mein Magen zu knurren. Ach, wann war das letzte Mal, als ich mal etwas Richtiges gegessen habe? Ich glaube, als Mama Papas Geburtstagsessen gemacht hat. Ja, mit diesem guten Fleisch und der leckeren Torte. Das war letzten September, aber das muss ja ein Jahr her sein. Vielleicht bringt Bruno heute wieder etwas mit.
 

Aber ich glaube, mein größtes Problem ist nicht nur das Essen, sondern das Leben im Lager und die Frage, warum der Wächter immer so laut schreit?
 

Zum Glück gehe ich niemanden ab und muss nicht so hart arbeiten, aber das ist mein einziges Glück. Glück? Gibt es so etwas hier? Nein, warum auch? Wir werden angebrüllt, geschlagen, ausgehungert und sind angeblich schuld, dass es den Deutschen schlecht geht, obwohl wir doch auch Deutsche sind, oder?
 

Mama hat mir einmal gesagt, wenn man in Deutschland geboren ist und sein Leben auch dort verbringt, ist man Deutscher, egal welche Religion oder Hautfarbe man hat. Und Mama hat immer Recht.
 

Ich hoffe, Bruno kommt endlich, denn die Sonne geht bald unter.
 

Diese Kleidung ist ja so kratzig und unbequem.
 

Meine Nachbarin würde sagen, diese Kleidung sei aus der letzten Saison. Ja, meine Nachbarin und ihre Katze. Ich vermisse sie, aber besonders unsere Wohnung, mein Bett und am meisten meine Eltern.
 

Ich wünschte, ich wäre zuhause. Stattdessen sitze ich auf dem Boden, schaue die Blumen und Schmetterlinge an und warte auf Bruno.
 

Oh nein, jetzt schreit der Wärter, wir sollen uns aufstellen. Mein Gott, ich komme ja schon.
 

 

Vielleicht sehe ich Bruno morgen.
 

 

 

   

Termine  

Elternsprechtag
25 Nov 2019
16:30
   

Förderverein  

   
   
© 2016 NMS Schwanberg Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.